Oktober 2020

TUI Mein Schiff 1 / Kiel-Schweden-Finnland-Kiel

Eigentlich wollte ich ja gar nicht weg, sogar nicht mal auf ein Schiff. Das Angebot von TUI Cruise vom 02.10 bis 09.10 mit der Mein Schiff 1 hatte jedoch seinen Reiz, also schaute ich mir das mal Näher an. Maske am Schiff tragen, Abstand halten und tägliches Fieber messen, waren für mich vertretbare Einschränkungen. Schließlich durfte man endlich wieder auf See. Ich entschied mich für eine Vorübernachtung im Berliner Hof in Kiel und konnte so absolut entspannt einen Tag später das Schiff betreten. Es gab nur Balkonkabinen und Suiten zur Auswahl. Ich wählte eine Balkonkabine im Plus-Tarif und erhielt für 825 € eine sehr schöne Kabine auf Deck 11. Ich darf sagen, das TUI hier für meine erste Reise fast alles richtig gemacht hat. Die Sache mit dem Covid-Test bzw. Abstrich brachte mich aber schon ein wenig zur Verzweiflung. Ich entschied mich den Test nicht bei Helios machten zu lassen, sondern beim Hausarzt. Erst hieß es der Test darf nicht älter als 72 Std, sein, dann wiederum durfte der Abstrich nicht älter als 72 Std. sein. Da Freitag Einschiffung war und ich bereits Donnerstags nach Kiel fuhr, machte ich den Test am Dienstag. Es erfolgte zu meiner Freude kein Abstrich in der Nase und noch während ich im Zug saß, erhielt ich den negativen Bescheid des Covid-Tests. So erleichtert war ich schon lange nicht mehr. Das sollte sich später aber noch ändern. 

 Wo ging es den überhaupt hin?

TUI verkaufte diese Reise als Blaue Reisen, also ohne Landgänge. Man konnte sich das wie auf einem Flussschiff vorstellen, aber mit den Annehmlichkeiten einer Seereise. Wenn an einem die Schäären schön gemütlich vorbeiziehen, ist das schon sehr entspannend. Allerdings sollte man das Wetter, vor allem Seegang, nicht unterschätzen. Bei teilweise Beaufort 9, was 75-88 km/h entspricht, war es mir schon richtig übel. Aber auch da gewöhnt man sich dran. Laut aussage der Crew waren nur 697 Gäste an Bord. Das war sowohl für die Gäste, als auch für die Crew sehr angenehm. Überhaupt empfand ich die Crew als sehr harmonisch und passend für ein Wohlfühlschiff.

Da mein Hotel ganz in der Nähe lag und ich die erste Check-In Zeit gebucht hatte, begab ich mich mit dem Taxi gegen 14.30 Uhr zum Ostseekai. Zu meinem Erstaunen war die Einschiffung bereits im Gange und so gab ich meinen Koffer und meinen Negativen Test ab. Da ich mich beim Hausarzt testen ließ, musste ich einen anderen Eingang benutzen, wo das Dokument noch einmal überprüft wurde. Ja und dann stand ich in dieser großen leeren Halle. Nicht ein Gast war zu sehn. Eine Mitarbeiterin bat mich dann dem abgesperrten Weg zu folgen, was ich auch mit einem Grinsen tat. Im Stockwerk darüber wurde dann das Bild für die Cruisecard gemacht, hier war tatsächlich etwas mehr los. Ich durfte die Schlange für Suitengäste benutzen und das Prozedere war in nicht mal fünf Minuten erledigt. Zum Schluss noch die Security passiert und nach ca. fünfzehn Minuten betrat ich zum ersten Mal die Mein Schiff 1.

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Die Meinschiff 1 war nicht nur gemütlich eingerichtet, sondern auch sehr gut beschildert. Ich hatte mich selten so schnell zurecht gefunden. Voller Freude öffnete ich die Kabine und ein Lächeln huschte über meine Lippen. TUI hat es geschafft die Kabinen warm und heimelig zu designen. Fasziniert war ich auch von den netten kleinen Details wie die echte Rose zur Begrüßung, oder die Griffe der Schubladen. Zudem bestach die Kabine durch eine Vielzahl an Ablagen sowie einer zugfreien Klimaanlage, welche sich auch ausschalten ließ. Bei MSC habe ich immer Klebeband dabei um die Schlitze ab zukleben. Meine Kabine war und wurde immer absolut sauber gehalten. Geschlafen habe ich gut, allerdings fand ich weder die Kissen, noch die Matratze richtig angenehm, aber damit habe ich immer meine Probleme. Der Blick ins Bad war verheißungsvoll. Es hatte eine angenehme Größe, ebenso die Dusche. Auch hier gab es sehr viele Ablagen, der Fön wie auf vielen Schiffen war im Schreibtisch untergebracht. Schön fand ich, das dass Bad bei ausgeschaltetem Licht trotzdem minimal beleuchtet war. Das ist bei einem nächtlichen Besuch des WC´s sehr angenehm.

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Nach Begutachtung meines Domizils ging ich zur Seenotretungsübung. Diese fand nun in kleinen Gruppen statt. Innerhalb von zwei Minuten wurde einem alles erklärt und der Urlaub konnte beginnen. Hoffentlich wird dieses Konzept auch so beibehalten. Nun meldete sich ein alter Bekannter. Mein Magen. Eigentlich bin ich kein Freund von Buffetrestaurants, in diesem Fall aber war ich vom Anckelmannsplatz richtig begeistert. Bevor man irgendein Restaurant betreten durfte, musste man sich die Hände waschen. Dann wurde man zu einem Platz geleitet und erhielt sein eingeschweißtes Besteck. Weiterhin sah das Konzept vor, das jeder zweite Tisch frei blieb um den Mindestabstand einzuhalten. Der riesen Vorteil bei dieser Art Konzept war einfach der, das dir niemand deinen Tisch klaut. Ebenfalls neu war die Bedienung an allen Stadtionen. Man sagt was man gerne möchte und die Crew belädt einem die Teller. Das war wirklich easy und entspannend. Die Mannschaft agierte sehr freundlich und professionell. Geschmeckt hat es auch sehr gut, aber da es gegen 15.30 Uhr war, konnte nicht alles probiert werden. Bevor ich ins Atlantik Classic ging, machte ich  einen ersten Rundgang. Wie ich eingangs bereits erwähnt hatte, fand ich das Interior sehr warm und ansprechend. Und das traf ausnahmslos auf alle Bereiche zu. Jeder Bereich hatte seinen eigenen Reiz und war stimmig eingerichtet. 

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Bis hier hin war ich von TUI Cruise wirklich sehr begeistert. Die Küche stellte sich perfekt auf Allergiker ein, hierzu erhielt ich täglich das Menü und konnte die Produkte wegstreichen, welche ich nicht vertrug. Die F&B Managerin teilte mir im Gegenzug auch mit, das ich gerne auch Produkte vorschlagen dürfe, die ich stattdessen essen möchte. Das hatte ich so auf noch keinem Schiff erlebt. Das Essen war im Vergleich zum MSC Yachtclub noch um einiges besser und feiner. Auch wenn das Essen grundsätzlich überaus schmackhaft, köstlich und hoch Qualitativ anmutete, muss ich gestehen, das ich am ersten Abend vom Essen noch nicht vollends überzeugt war. Aber bereits am nächsten Tag machte mich das Essen sehr glücklich, wenn der Seegang nicht gewesen wäre. Mir war es lange nicht so elend auf einem Schiff. Da sitzt man schön im Surf & Turf und du bist schon so weit, das du dieses wunderbare Stück Fleisch nicht mal mehr Schlucken kannst. Freundlicherweise durfte ich das Essen an einem anderen Tag wiederholen.

Atlantik Mediteran: Auf die Hummerravioli hatte ich mich sehr gefreut, diese waren aber nicht zu Ende gedacht. Sie wurden gänzlich ohne Soße geliefert. Wie perfekt wäre hier ein schöner Krustentierfond gewesen. So war es kein Geschmackserlebnis. Auch das Steak war kein Sonnenaufgang am Gaumen. Etwas zäh und faserig, geschmacklich jedoch in Ordnung. Das Gemüse dagegen war köstlich. Schön war, das ich ein zweites Steak bekam, welches dann wirklich sehr gut war. Aber auch die Wachtelbrust, bzw. der Käse zum Abschluss konnten nicht vollends überzeugen. Der Service war über jeden Zweifel erhaben, die Mitarbeiter strahlten regelrecht Freude aus. Allerdings besuchte ich die beiden Main - Restaurants wirklich ganz selten. Man hat einfach soviel Auswahl, wie das Fischrestaurant mit dem geilen Krabbensalat, das ganz schön Gesund mit den wunderbaren Salaten. Weiters gönnte ich mir auch das Gourmet Paket. Dieses beinhaltete das Surf & Turf, das Cucimare sowie das Esszimmer. Letzteres konnte aber auch nicht  gänzlich überzeugen.

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Atlantik Klassik: Fand ich das deutlich bessere Restaurant. Der Zucchinisalat war traumhaft, ebenso die zarten Ochsenbäckchen als Zwischengang und der köstliche Lachs. Vor allem zur Mittagszeit war hier jedoch nie viel los, teilweise war ich alleine im Restaurant.

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Fischrestaurant: Ein eindeutiges Mhhhhhh. Schon wenn die Etagere serviert wird, bekommt man Hunger. Pumpernickel, Salat und Fisch klingt so einfach, war aber sehr gut gemacht. Dann gab es gebackene, wohl mundende Meeresfrüchte gefolgt vom einem Fischcarpaccio. Ja und als Hauptgang dieser excellente, reichlich belegte Krabbensalat. Und alles im Preis inbegriffen, bis auf wenige Ausnahmen. Eine fanatische Qualität. Leider schaffte ich es nur einmal dort zu essen.

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Cucimare: Das Cucimare hat mich zu meiner vollsten Zufriedenheit überzeugt. Hier fand ich genau das Gericht welches Gaumensex auslöste. Nicht nur perfekt gekocht, sondern auch vorzüglich abgeschmeckt. Hier wurde italienische Küche gelebt und mit Leidenschaft zubereitet. Die Preise sind dementsprechend gehoben, ob der Qualität jedoch völlig angemessen. Der Service war ganz wunderbar und zum Abschluss wurde dieser sehr feine Grappa gereicht. 

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Die Aufpreis-Restaurant befinden sich alle hinten im Diamanten. Dort ist es sehr gemütlich, jedoch bei Seegang natürlich auch etwas wackelig. Als Vorspeise gab es einen wirklich sehr guten Salat, der aber doch schon überdimensioniert daherkam. Auch die Optik stand dem Geschmack in nichts nach und die Kalbszunge streichelte den Gaumen. Als zweiten Gang wählte ich zum Glück das Ragout di Polpo. Das war Gaumensex in Vollendung. Wobei der Pulpo gar nicht mal nötig gewesen wäre, der Sud alleine machte mich schon glücklich. Das war Perfektion! Der dritte Gang stand so nicht auf der Karte, da ich aber den Hummer probieren wollte, wurde mir eben nach Wunsch Hummer und Steinbutt serviert. Auch dieses Gericht war hervorragend zubereitet und erfreute den Gaumen. Danach war ich wirklich satt, aber das Auge war wieder größer als der Magen. Karamellisierter Blätterteig klang erstmal richtig verlockend, konnte aber mit den warmen Speisen nicht ganz mithalten. Das Dinner wurde von den passenden Weinen wohlwollend abgerundet. 

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Ganz schön Gesund: Hier war ich ob dem Konzept tatsächlich etwas skeptisch. Ich wurde aber eines besseren belehrt und nahm dort fast täglich meinen Lunch ein. Auch ein Salat kann - wenn er lecker gemacht ist - sehr gut schmecken. So dachte wohl auch eine Vielzahl der Passagiere, denn dieses Restaurant war immer sehr gut besucht. Hier traf ich auch auf eine Servicekraft, welche durch Professionalität und Herzlichkeit bestach. Ein Aushängeschild im Service!

 

Vorneweg gab es auch hier wieder etwas Brot und Aufstriche wie Humus, Rote-Bete-Creme und Baba Ganoush. Hatte ich erwähnt das ich Humus liebe? Ich entschied mich für eine Bowl mit Sous-Vide gegarter Hähnchenbrust ( oder auch mit Spinat und Fetakäse )  und Chili con Carne, welches dekonstruiert serviert wurde. The Taste ließ grüßen. Wenn Salat nur immer so schmecken würde? Als Dessert gab es einen Buchweizen Crepes der aber leider nicht warm serviert wurde. Ich vermute das es sich hier um eines der wenigen Convinience-Produkte gehandelt hat. Sowohl die Bowls als auch das Chili waren spitze, auf manche Gerichte muss man sich halt auch mal einlassen und über den Tellerrand blicken. Nicht unerwähnt bleiben sollten auch die leckeren Ingwer-Shots. Da hätte ich gerne eine Flasche mit genommen.

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Surf & Turf: Leider war der erste Abend nach der Einschiffung von starkem Seegang geprägt, somit musste ich das Steakhouse tatsächlich vorzeitig verlassen. Nach jedem Bissen hatte ich immer das Gefühl, das gleich ein Unglück passiert. Mein Dank ging an die Restaurantleitung, die mich zwei Tage später noch einmal einlud. Ehrlich gesagt weis ich nicht mehr was ich dort gegessen hatte, an die Escargots konnte ich mich aber noch erinnern. Allerdings waren diese bei AIDA im French Kiss deutlich besser. Dem Fleisch jedenfalls konnte eine hohe Qualität attestier werden und geschmeckt hat es auch sehr gut. Einzig das Rindertartar würde ich nicht wieder bestellen. Von der Konsistenz her konnte man es sich auf´s Brot schmieren. Ein Tartar muss etwas grob und Kernig sein. Punkten kann das Steakhouse auf jeden fall mit der Aussicht am Heck. Dry Aged wird ebenfalls angeboten.

Esszimmer: Beim Esszimmer war ich doch überrascht. Einerseits ist es verdammt schick und gemütlich eingerichtet, andererseits konnten bei mir nicht alle Gerichte überzeugen. Die Idee drei verschiedene Suppen in kleinen Gläsern zu servieren, klang zwar sehr gut. Leider wurde das versprochene nicht gehalten. Die Rinderconsommé schmeckte saft und kraftlos, völlig ohne Power. Die gebundene Zwiebelsuppe war gut, das Crostini ließ jedoch die gebotene Knusprigkeit vermissen. Ja und die geeiste weiße Tomatensuppe? Die war wirklich sehr gut, Minze und Tomate ist ne interessante Kombi. Nach einem eher verhaltenem Start, kam dann aber ein richtiges Schmackofatz. Gebratene Blutwurst mit Kartoffelpüree und Apfelkompott. War schon richtig geil, das etwas herbe der Blutwurst in Verbindung mit dem Apfelkompott. Allerdings können die Fischköpfe keine "Gniedla" machen. Das waren die schlechtesten Klöse, welche ich je gegessen hatte. Das war zwar schade, aber das Fleisch performte dafür perfekt. Der Kaiserschschmarrn war gut, jedoch wieder viel zu viel. 

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